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Probleme lösen

Mentale Problemlösung – ein Prozess

                       ... wenn wir zum Beispiel auf eine Blockade treffen

                       ... wenn es uns aus unbekanntem Grund nicht gut geht

                       ... um die Vergangenheit zu bewältigen...

                       ... wenn wir mit irgendetwas einfach nicht zurecht kommen


Eine einfache und ganz brauchbare Methode der mentalen Problemlösung ist es, zunächst das vorherrschende Gefühl genau zu beschreiben. Die meisten unserer Gefühle „erlernen“ wir durch Prägung (vgl. Transaktionsanalyse). Wenn sie auftreten, assoziieren wir sie mit Situationen, zum Beispiel: sich verlassen fühlen, sich ausgeliefert vorkommen, sich lächerlich fühlen... Wenn wir diese Gefühle wörtlich nehmen, können wir daraus wichtige Anhaltspunkte für weiteres Vorgehen erhalten. Natürlich ist ein einfaches „Warum?“ schon ganz gut für den Anfang, aber da wir dazu neigen, darauf gleich mit „Ich weiß es nicht“ zu antworten, ist es meist effizienter, nach den konkreten Umständen zu fragen, die Details zu erforschen. Etwa: Was genau an dieser Situation gibt mir dieses Gefühl? Ist es tatsächlich so, dass dieses Gefühl der gegenwärtigen Situation angemessen ist oder ist es eher ein Überreagieren? Was müsste passieren, dass ich mich anders fühle? Was bräuchte ich jetzt ganz konkret? Wann habe ich mich sonst schon so gefühlt? Wie ist das damals gekommen? Wie lässt sich die damalige Situation mit der aktuellen vergleichen, welche Parallelen gibt es? ...

Wenn wir nicht aufhören, immer weiter nachzufragen, kommen wir wahrscheinlich irgendwann im Lauf dieses Prozesses an den Punkt, an dem wir dieses Gefühl intensiv zum ersten Mal erlebt haben, an den Zeitpunkt der entsprechenden Prägung.

Besonders dann, wenn wir an einen Punkt in unserer Erinnerung kommen, den wir schnell beiseite schieben oder als Blödsinn beurteilen wollen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass genau hier der sprichwörtliche Hund begraben liegt. Oft sind es tatsächlich nur Kleinigkeiten, die längst ihre Bedeutung verloren haben, weil wir als Erwachsene nunmehr einen entsprechenden Überblick haben und so etwas mittlerweile längst verkraften können. Wir können mit vielem als Erwachsene besser umgehen. Aber fragen Sie sich, wie Sie als Kind gefühlt haben, als dieser Überblick noch nicht gegeben war! Damals hat es sich vielleicht um ein für uns unüberwindbares Problem gehandelt, das wir einfach nicht einordnen oder verarbeiten konnten und deshalb als ganzes abgespeichert und sozusagen aufgehoben haben. Ich bin überzeugt davon, dass es in jedem Menschenleben einige solcher Dinge gibt und dass manche davon uns solange beeinflussen, bis wir sie ausgeräumt haben, da sie uns möglicherweise wertvollen Raum zur Entfaltung unserer Potenziale wegnehmen und Blockaden darstellen können. Besonders Gefühle, die immer wieder auftauchen und eventuell sogar unser Vorankommen verhindern, lohnen einmal genauer betrachtet zu werden (beispielsweise Prüfungs-, Bindungs- oder Versagensängste).

Ich habe es mir – der ständigen Kompromisse überdrüssig, von denen mein Leben gekennzeichnet war – zur Angewohnheit gemacht, alles, was mich irgendwie beengt, gerade im Gefühlsbereich, aktiv zu bearbeiten und für mich kompatibel zu machen, was mir innerhalb kürzester Zeit erheblich mehr Lebensqualität eingebracht hat.

Also habe ich nahezu ein Faible dafür entwickelt, in genau solche Dinge hineinzubohren und ihren Inhalt genau zu inspizieren (auf anderer Ebene liebe ich es ebenso, Pickel auszudrücken *g*...). Meist ist also die Angst vor dieser Inspektion viel größer als es dem Inhalt entsprechend angemessen wäre, glauben Sie mir!

Mag sein, dass wir bei solchem Vorgehen aber auch an Dinge stoßen, die wir - aller bisheriger Entwicklung zum Trotz – noch immer nicht begutachten wollen, weil sie womöglich unser ganzes Weltbild erschüttern und unser Leben ziemlich umstürzen könnten. In solchen Fällen überlege ich mir, ob ich es mir momentan zeitlich oder kräftebedingt leisten kann, die Büchse der Pandora mit allen Details zu öffnen. Dass ich sie öffnen werde, steht dabei aber fest. Wenn ich ohnehin schon genug um die Ohren habe, warte ich lieber damit auf einen ruhigeren Zeitpunkt bzw. überlege mir konkret, wann es für mich am besten passt, mich dem heiklen Thema zu stellen. Auch, weil ich weiß, dass ich aus den gewonnenen Erkenntnissen meine Konsequenzen ziehen werde. Bin ich dazu gerade nicht bereit, hebe ich mir die Angelegenheit noch auf, weil sie mich ansonsten möglicherweise überfordern würde.

Wenn es dann aber soweit ist – in einem ungestörten Moment ohne jeglichen Zeitdruck – nehme ich mir dann oft mein Tagebuch oder ein Blatt Papier zur Hand und wage mich an mein Thema heran. Zuerst halte ich fest, worum es überhaupt geht, beschreibe meine Gefühle und vor allem meine dazugehörigen Ängste. Dann mache ich mich daran, die Umstände des Problems zu klären. Ich schreibe auf, was genau passiert ist, wer beteiligt war, wie ich mich gefühlt habe und wie es überhaupt zu der ganzen Sache gekommen ist, soweit ich das beurteilen oder vermuten kann. Damit begebe ich mich in eine analytische, sachliche Ebene und sehe mir die Angelegenheit also von außen an, was unter anderem verhindert, dass ich mich von Emotionen fortschwemmen lasse, weil ich so nicht direkt drin bin. Außerdem verschindet bei diesem Vorgang die Angst vor dem Unbekannten, keine Frage, wenn etwas ins Bewusstsein aufrückt, ist es ja nicht mehr unbekannt...

Je nachdem, wie schwerwiegend das neuerkannte Alterlebte ist, lohnt es sich unter Umständen an dieser Stelle der Bearbeitung eine Pause einzulegen, damit unsere Seele sich an den neuen Aspekt der Wirklichkeit gewöhnen kann. Manchmal benötigen wir dazu mehr, manchmal weniger Zeit, wobei wir aber unbedingt darauf achten sollten, die Situation wertfrei anzunehmen und nicht vorschnell zu interpretieren. Ich selbst höre dabei sehr bewusst und genau auf meine inneren Gefühle und Signale. In diesem Stadium verzichte ich auf das bewusste Nachdenken über die entsprechenden Vorfälle, tippe das Thema aber ab und zu gedanklich kurz an, um zu sehen, wie die Seele darauf reagiert. Ist da noch ein leiser Widerstand zu spüren, gebe ich mir etwas mehr Zeit, treffe aber gleichzeitig schon meine Vorbereitungen, die ich später noch genauer ausführen werde.

Wenn ich bereit bin, mit der Verarbeitung weiterzumachen, erkenne ich das meist daran, dass ich keine Scheu mehr davor habe, an die Sache zu denken oder sie gegebenenfalls mit einer Person meines Vertrauens zu besprechen. Falls ich dabei jedoch noch Rechtfertigungen oder Beschönigungen verwende, arbeite ich zuerst an diesen. Sie zeigen, dass da noch ein Quäntchen Angst vorhanden ist, dass die Seele noch Zeit oder geschützten Raum braucht. Wenn ich soweit bin, dass ich das Thema völlig wertfrei und sachlich aussprechen und behandeln kann, dann – und wirklich erst dann – bin ich bereit für den nächsten Schritt.

Mit dem nächsten Schritt ergibt sich wieder eine Hürde. Dies ist wieder ein Punkt, der das Risiko birgt, unser Leben etwas aus der Bahn zu werfen. Warum? Weil wir uns beim nächsten Schritt mit den Auswirkungen des Problems beschäftigen, damit, welche Konsequenzen die Sache seit ihrem Auftreten bis zum heutigen Tag nach sich gezogen hat und welche anderen Schwierigkeiten sie möglicherweise mitverursacht hat. Oft entsteht daraus neuer Schmerz – nämlich dann, wenn wir erkennen, welche Chancen uns infolge dieser Angelegenheit unwiederbringlich verloren gegangen sind und wie vieles ganz anders und manchmal angenehmer verlaufen hätte können, wenn dies und das nicht gewesen wäre.

Stellen Sie sich diesbezüglich die ureigene Persönlichkeit mit all ihren Potenzialen als Lichtquelle vor und den Verlauf des Lebens als den dazugehörigen Lichtkegel. Schwere Erfahrungen, die unaufgearbeitet bleiben, stellen sich dabei in den Lichtkegel und werfen ihren Schatten, der sich mit zunehmender Entfernung ebenso kegelförmig ausdehnt. Verstehen Sie diese Metapher? Bezogen auf das Heptagon kann dies ganze Teile der Ganzheitlichkeit einfach lahm legen oder den eigenverantwortlichen Zugriff darauf verhindern, das heißt, manche unserer Möglichkeiten aus unserem Blickfeld verschwinden lassen.

Diese Erkenntnis kann einen wahren Realitätsschock auslösen, sehr wehtun und eine Menge an Trauer, Wut und Aggressionen hervorbringen. Das ist gut. Auch damit hat die Seele eine Möglichkeit, sich zu äußern. Trauerarbeit ist angesagt und auch hier braucht es manchmal Zeit und Raum für die Seele, bis wir soweit sind, auch die Folgen des Kernproblems wertfrei - ohne Schmerz sowie ohne Entschuldigungen oder Schuldzuweisungen - als unseren Lebensweg anerkennen zu können. Wenn wir uns etwas gefasst haben, können wir auch durchaus positive Begleiterscheinungen ausfindig machen, etwa Erfahrungen, die uns durch das alles weitergebracht, Dinge, die wir daraus gelernt und besondere Einsichten, die wir aufgrund der speziellen Situationen gewonnen haben (Nutzen Sie auch hier das Heptagon als Hilfsmittel um ganzheitliche Querverbindungen herzustellen!). Auf diese Weise hüten wir uns vor gefährlicher Schwarzweißmalerei, können gleichzeitig positive Gefühle entwickeln und diese als weiterhelfende Assoziationen dazu abspeichern. Alles, was wir gelernt haben, ist als positive Entwicklung anzusehen, egal welche Ursachen auch immer dazugeführt haben, und das relativiert somit alle noch so schmerzhaften Erfahrungen. Machen wir uns in diesem Zuge also auch bewusst, was uns an Positivem entgangen wäre, wenn wir diese und jene Dinge nicht passiert wären!

Wir lernen dochschließlich aus allem etwas und oft sind es doch genau die "negativen" Erfahrungen, auf die man im Nachhinein niemals verzichten würde...

Natürlich ist dieses ganze Verfahren ein Abenteuer für sich und kann (muss nicht!) uns, zugegeben, auch leicht an (aber nicht über!) die Grenzen des Erträglichen bringen. Verglichen aber mit der Energie, die es uns kostet, etwas lebenslang zu unterdrücken oder zu umgehen, sind diese vorübergehenden Empfindungen ein Klacks.

Ich für mich habe beschlossen, das Beste aus meinem Leben zu machen und mich von diesem Entschluss nicht mehr abbringen zu lassen. So stelle ich mir jedes Mal, wenn ich an solch einen Punkt gerate, die Frage nach meinen Prioritäten bezüglich dieses Entschlusses. Ich weiß, dass ich im Endeffekt nur gewinnen kann. Dass ich nur dann gewinnen kann, wenn ich mich von Altlasten, von diversem Seelendreck trenne und wenn es beim Anfassen desselben auch noch so sehr stinkt. Und ich gewinne wirklich dabei. Jedes Mal. Ich gewinne deshalb, weil ich erstens weiß, wie meine Seele funktioniert, wie sie Eindrücke handhabt und verarbeitet und zweitens, weil ich mich dahingehend vorbereite, dass ich die richtigen Bedingungen für die ganze Aktion schaffe. So wähle ich, wie gesagt, unter großem Bedacht den Zeitpunkt aus und ziehe mich zurück, wenn ich mich dem einen oder anderen Problem nähern möchte (andere wollen damit vielleicht lieber nicht allein sein, aber bei mir ist es so).

Ich weiß und mache mir stets von neuem bewusst: Was immer auch zum Vorschein kommt wird mein Jetzt nicht verändern, auch wenn sich Manches vielleicht in einem anderen Blickwinkel zeigt. Es betrifft meine Vergangenheit und wird vergangen bleiben. Für die Zukunft kann es mir nur Vorteile bringen.

Mit dem neuen Bewusstsein habe ich anschließend an den Lösungsprozess die Möglichkeit und Freiheit, etliche meiner bisherigen Entscheidungen (die mit jenem Punkt in irgendeiner Weise in Zusammenhang stehen) neu zu überdenken und meinen Ur-Wünschen anzupassen, bzw. in Zukunft völlig anders zu entscheiden und mich anders zu verhalten als ich es bisher getan habe. Ich gewinne dadurch jedes Mal neue Entfaltungsmöglichkeiten und es macht auch richtig Spaß, den neuen Aktionsradius auszuprobieren und in Anspruch zu nehmen. „Never ever“ würde ich diese Möglichkeit, neue Freiheit zu gewinnen, aus Angst in den Wind schlagen. Und meine Seele dankt es mir mit Hochgefühlen!

Ich habe gelernt, aus allem meine Konsequenzen zu ziehen (nehme also bewusst Einfluss auf mein Wertesystem) und das Erkannte in die Tat umzusetzen. Auch, weil ich mich zu allen Gelegenheiten frage, was eine Erkenntnis nun ganz praktisch für mich bedeutet, was es für Auswirkungen hat, wenn dieser oder jener Glaubenssatz nun nicht mehr gilt. Natürlich, manchmal brauchen wir erst auch eine Weile, das Alte zu verarbeiten bzw. dem Verlorenen nachzutrauern. Ich glaube, dass das ganz wichtig ist und unbedingt Platz haben soll, weil vor allem unsere Seele einen ganz eigenen Zeitbegriff zu haben scheint und nicht immer so schnell ist wie der Kopf... Aber bevor wir damit anfangen, uns im Selbstmitleid zu suhlen und all das furchtbar Schreckliche, das uns so sehr am Leben hindert (...) ständig als Ausrede zu missbrauchen, sollten wir aufstehen und weitergehen.

Was, wenn die alten Gefühle wiederkommen, wenn sie durch irgendetwas von neuem ausgelöst werden? Für solche Fälle formuliere ich persönlich gerne „Ersatz-Glaubenssätze“. Wenn ein altes Gefühl wiederkommen will, sage ich zu mir selbst: „Das war früher. Jetzt gilt:...“, und meistens habe ich damit Erfolg. Aber nur, wenn der neue Glaubenssatz auch gut verankert ist, wenn ich wirklich aus tiefstem Herzen zu der Überzeugung gekommen bin, dass dieser Beschluss von nun an für mich gültig ist. Ein Mantra, von dem ich nicht wirklich überzeugt bin, bringt rein gar nichts.

Wenn ich einen neuen Glaubenssatz abspeichere, achte ich vor allem darauf, dass er sich auch wirklich stimmig anfühlt. Sollte das noch nicht ganz gegeben sein, hake ich sofort nach und suche in meinem Innersten nach Gründen die dagegen sprechen. Manchmal ist da irgendwo noch eine kleine Angst versteckt, oder es geht um Dinge, die wir uns noch nicht trauen loszulassen, weil wir noch nicht ganz soweit sind. So etwas hat dann natürlich oberste Priorität – Störungen gehen vor! Auch hier frage ich, was daran gefällt mir nicht, welche Gefühle sind da noch, wovor habe ich Angst, was könnte mir schlimmstenfalls passieren, usw. Wenn ich die jeweilige Hemmschwelle entdeckt habe, handelt es sich meist nur um eine Kleinigkeit, um irgendeinen Aspekt, den ich zuvor nicht bedacht habe und in einem Aufwaschen gleich mitentscheide. Dabei vertraue ich meinen Gefühlen, meinem Seelenleben. Wenn sich alles stimmig anfühlt, beschließe ich mein neues Prinzip (oder „Glaubenssatz“) und wende mich wieder anderen Dingen zu. Damit setze ich automatisch um, was ich erkannt habe und – erkenne laufend neue Handlungsmöglichkeiten.

Im Alltagsgeschehen kommt es natürlich hin und wieder vor, dass Dinge passieren oder Situationen auftauchen, die Auslöser für die „alte Variante“ meines Weltbilds und Lebensprogramms darstellen. Dann merke ich, wie sich auch das alte Gefühl dazu „anbietet“ (unsere Seele hat ein Elefantengedächtnis!). Gottlob weiß ich mittlerweile, dass ich mich entscheiden kann, ob ich mich darauf einlasse oder nicht, dass ich es nicht nehmen muss (wenn mir nicht nach einer Runde Selbstmitleid zumute ist). Schließlich habe ich ja einen neuen Glaubenssatz, den ich dagegenhalten kann...

Seit ich auf diese Weise vorgehe, bin ich viel stabiler in meinen Emotionen, entscheidungsfreudiger und konsequenter geworden, und ich habe in allen Bereichen viel, viel mehr Lebensqualität und vor allem Lebensfreude und Selbstvertrauen entwickelt.